Bezirk Süddeutschland

Namibischer Diamant in Pöcking gewonnen

Am Donnerstag, 28. Mai gab es abends im DNG-Bezirk Süddeutschland während einer sehr gut besuchten Lesung in der Pöckinger Bücherei einen „echten“ Diamanten aus Namibia zu gewinnen. Der freudig überraschte Gewinner aus München wusste  Antwort auf die Frage, „wie viel Gegengewicht brauchte eine Waage im Jahre 1908 um eine Wirtshausrechnung im Wert von 20 Mark zu bezahlen“. Dies wollte Herausgeberin und Autorin des Buches „Ein Karat zu Zwanzig Mark“, Delia Magg-Thesenvitz wissen.

Rund 50 Jahre sind vergangen, als Max Ewald Baericke seine Erlebnisse aus dieser verrückten Zeit aufschrieb. Er war in den Jahren 1908-1914 dabei, als in der deutschen Kolonie Südwestafrika überraschend Diamanten gefunden wurden. Bis 2001 dauerte es jedoch, bis sein Manuskript als „Lüderitzbucht 1908-1914“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurde: die Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft gab es überarbeitet, jedoch größtenteils im Original belassen heraus. Sie ergänzte mit Bildern und Karten aus der Zeit und durch Fotos aus dem Sperrgebiet (www.namibiana.de).

Inzwischen ist diese Ausgabe jedoch vergriffen und Magg-Thesenvitz schilderte während der Lesung lebhaft, wie es zu ihrer Neuauflage 2025 kam: „Tausende Touristen besuchen Kolmannskuppe jedes Jahr. Es kann doch nicht sein, dass ein so wichtiges Werk nicht mehr zu haben ist. Wenn wir den Ort erhalten, müssen wir auch die Geschichten erhalten“. Aber eine reine Neuauflage war ihr nicht genug. Sie machte sich an die Arbeit, Teile der lückenhaften Biographie Baerickes, eines gebürtigen Magdeburgers, aufzuklären. Sie fügte weitere Fotos hinzu, und weitete ihre Recherche auf den damaligen sowohl auch heutigen Kontext aus. So beinhaltet die 2025 Ausgabe auch ein Nachwort, in dem sie ihre Recherchen zu vielfältigen Themen niederschrieb, und sie gibt all jener Bevölkerung eine Stimme, die im Kolonialgebiet schon längst vor Ankunft der Deutschen gelebt hat, und die von dem damaligen Diamantengeschäft nicht profitierte. Die Themen Kolonialgeschichte und ihre Folgen sind in Namibia auch heute noch präsent. So feierte Namibia just an diesem 28. Mai zum zweiten Mal den nationalen Gedenktag „Genocide Remembrance Day“, der an die während der deutschen Kolonialherrschaft an den Ovaherero und Nama verübten Verbrechen erinnert.

Magg-Thesenvitz hat das Werk jedoch nicht nur neu aufgelegt, sondern auch historisch eingeordnet. Dies zeigt sich im umfangreichen Begleitmaterial. Das Buch bietet mit 91 Seiten „die wohl längste Einführung in ein Werk“, wie die Herausgeberin schmunzelnd sagt. Außerdem werden (teils auch heute noch typischen) Deutsch-Südwestafrikanischen Begriffe erklärt, es gibt eine Zeittafel, ein umfassendes Namensregister und Literatur- und Bildverzeichnis. Die vorgelesenen Geschichten Baerickes waren kurzweilig und heiter, wenn auch die ein oder andere Episode aus heutiger Perspektive völlig überholt anmutet.

Die Publikumsfragen und das angeregte Gespräch zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Namibia, dem geologischen Ursprung von Diamanten, bis hin zu Fragen mit touristischem Interesse nach dem Bildvortrag und der Lesung haben deutlich gezeigt, dass es Magg-Thesenvitz gelungen ist, mit Geschichte(n) aus Namibia einen Bogen zur Gegenwart zu schlagen und auch das heutige Leben in Namibia zu beleuchten. Die Diskussion war so vielfältig, wie auch Namibia vielfältig ist.

Die Veranstaltung fand auf Spendenbasis statt; es wurde für ein Klassenzimmer im DRC Women’s Projekt der Deutsch-Namibischen Gesellschaft in einem Township der Stadt Swakopmund gesammelt.

Der „echte namibische Diamant“, den der glückliche Gewinner erhielt, wurde übrigens durch die in 2025 neu herausgebrachte namibische 5 Dollarmünze symbolisiert.

(Hilma von Gronau)

Veranstaltungsankündigung

Wer Ideen für Veranstaltungen hat oder in den Bezirksverteiler aufgenommen werden will um per Mail über Aktivitäten im Bezirk informiert zu werden, kann sich gern per E-Mail an die Bezirksvorsitzende Hilma von Gronau (vongronau@dngev.de) wenden. Details zu kommenden Aktivitäten würden auf der DNG-Website erscheinen.