Vortragsveranstaltung von Carsten Möhle alias Bwana Tucke-Tucke in der EXPERIMINTA in Frankfurt am 30.03.2017

Carsten Möhle und Jörg BauerDer nunmehr 8. Bildervortrag von Carsten Möhle, der wieder in der sehr gut besuchten EXPERIMINTA in Frankfurt stattfinden konnte, führte in das dünn besiedelte Kaokoveld im Nordwesten Namibias. Es ist der Lebensraum von rund 8.000 Himba-Nomaden, den Herr Möhle informativ, unterhaltsam und anschaulich vorstellte. In einem Gebiet etwa so groß wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen leben ungefähr 12 000 Menschen ständig, neben den Himba auch Nama und einige wenige Weiße. Die Abgeschiedenheit sowie buschkriegsbedingte Zugangskontrollen hatten dafür gesorgt, dass das Kaokoveld lange Zeit für Besucher nur schwer erreichbar war. Vor der Unabhängigkeit Namibias im Jahre 1990 gab es praktisch keinen Tourismus dort. Es ist ein arides Gebiet mit Trockenflussbetten, die nur unterirdisch Wasser führen. Nun entwickelt sich die Region rasant mit guten Straßen, Erzminen und einem Staudamm in den Baynes-Bergen.
Interessant für Touristen ist die relative Unberührtheit der Landschaft und der Grenzfluss Kunene mit seinen Stromschnellen und Wasserfällen wie die Epupa-Fälle und die Ruacana-Fälle. Bei Letzteren sorgt der Staudamm allerdings für Unterschiede im Wasserstand. Man hat die Möglichkeit, die Himba-Kultur kennenzulernen. Außerdem ist das Kaokoveld ein El Dorado für Geländefahrer.

Uwe und Maria
Uwe und Maria

An den Epupa-Fällen beginnt auch die Geschichte von Himba-Uwe, der seit 1999 in Namibia lebt und mit Maria, einer Ovahimba-Häuptlingstochter aus Epupa verheiratet ist. Uwe Krüger, Baggerfahrer und Elektriker aus Halle, hatte sich auf eine Stellenanzeige als Lodge-Manager für das Omarunga-Camp gemeldet. Er startete dort allerdings in der Regenzeit, wo in 90 Tagen gerade einmal zwei Gäster kamen. Also hatte er Zeit, Sprachkenntnisse in Otjiherero zu erwerben. Er lernte Maria kennen, wurde 2001 in die Himba-Gesellschaft und in die Familie aufgenommen. Die beiden heirateten, er adoptierte ihre Kinder, und gemeinsam haben sie vier weitere Kinder. Der älteste Sohn ist mittlerweile 9 Jahre alt. Etwa 2 Monate im Jahr lebt Uwe derzeit bei seiner Familie im Kraal, die übrige Zeit ist er als Reiseleiter unterwegs.
Carsten Möhle zeigt Bilder vom Himba-Kraal, in dem Uwe mit seiner Familie lebt und stellt das System der Himba-Dörfer vor, die häufig noch relativ traditionell organisiert sind, z.T. aber auch Solarenergie nutzen. Er lässt das Publikum einen Blick in die Hütten werfen und erklärt Schmuck und Haartracht, die ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Kultur sind.
Während die Männer meist westlich gekleidet und weniger präsent sind, tragen die Frauen oft ganz selbstverständlich traditionelle Kleidung und schweren Schmuck. Frauen und Männer nutzen mit Fett vermischtes Ockerpulver als Schutz für die Haut und für deren rötlichen Glanz.
Sozialer Status und Reichtum der Himba hängen von der Menge der Rinder, die ein Clan besitzt, ab. Die Himba leben halb-nomadisch, nutzen Sommer- und Winterweiden für ihr Vieh. Sie verdienen am Tourismus mit, z.B. durch eigene Camping-Plätze und Projekte, haben aber auch die Wahl, dem Tourismus aus dem Weg zu gehen.
In der Epupa-Region leben mittlerweile rund 1200 Himba; damit ist ihre Zahl  stark gestiegen, und man wird mehr und mehr sesshaft dort. Wegen der Dürre ersetzen Ziegen oft die Rinder.

Die Region ist auch für Geländefahrer interessant, und Herr Möhle zeigt in Bildern und Videos Fahrtechniken und -manöver im steinigen Kaokoveld wie auch einen Getriebewechsel. Ein Problem ist nämlich der Mehlstaub, ganz weicher Sand,  der in alle Ritzen dringt und vom Motor angesogen wird.
Wir sehen Aufnahmen vom Van-Zyl´s-Pass, der zu den schwierigsten und gefährlichsten Abfahrten gehört, und vom Marienflusstal. Neben Trockenflussbetten wie dem Hoanib, wo nach starken Regenfällen große Fluten Autos einfach wegspülen, sieht man tolle archaische Landschaften mit dem ältesten Gestein der Erde. In der Einsamkeit  kann man Wüstenelefanten begegnen, die meist in Herden von 10 - 12 Tieren leben und keine eigene Art, sondern einfach an die Wüste angepasst sind. Kaum Chancen bestehen allerdings, Wüstenlöwen zu entdecken, die auch in dem Gebiet leben.

Und schließlich gibt es mit Bwanas Buschschule Afrika zum Anfassen: Himba-Amulette, Halsbänder Muschel- und Messing-Schmuck, Kameldornschoten, Gürtel oder Schminkdöschen mit Ocker.Afrika zum Anfassen