Die Deutsch-Namibische Gesellschaft ist eine gemeinnützige, überparteiliche und private Organisation mit derzeit ca. 1.500 Mitgliedern und Förderern. Wir unterstützen Projekte in Namibia, fördern den Jugend- und Kulturaustausch, geben Informationen heraus, veranstalten Seminare und tun noch manches mehr.

Das Ende der Heidelberger Namibia-Tage  -  Eine Bilanz

Tagungsort SpiegelsaalZum 14. Mal seit 2004 hat am 13. Mai 2017 der vom Rhein-Neckar-Bezirk der Deutsch-Namibischen Gesellschaft veranstaltete Heidelberger Namibia-Tag im prachtvollen städtischen Spiegelsaal des Palais "Prinz Carl" mit seinen über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattgefunden. Von weither waren einige von ihnen zu diesem für die Bezirksaktivitäten schon traditionellen Treffen angereist - aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Eingeflogen extra aus Uppsala, Windhoek und Berlin kamen diesmal die Vortragenden.

Möglich geworden war die Realisierung dieses doch finanziell und organisatorisch aufwändigen Bezirks-Events über all die Jahre hinweg und auch dieses Jahr nur durch die großzügige Unterstützung des Agenda-Büros der Stadt Heidelberg und der Heidelberger Volksbank. An die 19.000 Euro sind seit 2004 durch die beiden Organisations-Partner den über die Jahre hinweg insgesamt über 1.300 Teilnehmern der verschiedenen Heidelberger Namibia-Tage zugute gekommen. Runde 30 bis 35 Prozent dieser Personen waren DNG-Mitglieder, der Rest an Namibia interessierte Menschen der unterschiedlichsten Berufsgruppen und persönlichen oder auch familiären Bindungen an die alte deutsche Kolonie, die teils auch für eine DNG-Mitgliedschaft angeworben werden konnten.

13 Jahre lang standen Themen zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation Namibias, zu Geschichte, zur Geographie und zur Landesentwicklung sowie über diverse private oder NGO-Hilfsprojekte auf den Tagungsprogrammen: Insgesamt über 75 von ausgewiesenen Fachleuten vorgetragene und mit dem Publikum diskutierte Sachkomplexe. So auch beim 14. Mal.

Als Eröffnungsbeitrag des 14. Namibia-Tages stand der Film "Kaiser Wilhelms Wüstenkrieg" auf dem Programm, den Bezirksvorsitzender Dr. Horst Eichler nach Unterlagen des Herero-Kenners Dr. Werner Andreas Wienecke im Hinblick auf die z. Zt.  laufende Genozid-Diskussion und die von namibischer Seite durch Herero- und Nama-Gruppen erhobenen Reparationsforderungen kommentierte und auf die vielschichtige Lösungs-Problematik der Genozid-Frage hinwies. Mindestens drei Diskussionsebenen gebe es zu berücksichtigen:  Die (völker)rechtliche Ebene des erst nach dem Zweiten Weltkrieg als international anerkannten Begriffes des Genozid oder Völkermordes, die Ebene der interkulturellen Kompetenz (oder der Verstehensdefizite) bezüglich des Geschichtsverständnisses und Lebensphilosophie der Herero (ein von Dr. Wienecke schriftlich eingegangenes Statement hierzu wurde von Martin Hoerster verlesen) und schließlich die emotionale Ebene, auf der sich der in Deutschland seit 2015 festgelegte Sprachgebrauch vom "Genozid" und dessen Ablehnung durch die meisten der etwa 20.000 deutschstämmigen Namibier gegenüberstehen.

"Namibia nach 27 Jahren Unabhängigkeit - Über die Grenzen der Befreiung" hatte als Hauptrednerder der extra aus Uppsala angereiste ehemalige Direktor des dort ansässigen "Nordic Africa Institute", Prof. Dr. Hennig Melber, seinen Beitrag betitelt. In Namibia sozialisiert und seit der Zeit der Befreiungsbewegung bis heute selbst SWAPO-Mitglied, kritisierte Melber in erstaunlicher Offenheit und tiefer menschlicher Anteilnahme für die 60 Prozent der unter multipler Armut leidenden namibischen Bevölkerung die SWAPO-Politik der "Einparteienregierung", die rund 50 Prozent des Staatshaushaltes für Gehälter des "Öffentlichen Dienstes" bereitstelle, versteckte Korruption dulde und die reiche schwarze Oberschicht der sog. "fat cats" an den Honigtöpfen des an sich reichen Landes (mit armer Bevölkerung) lecken lasse.

Birgit Möhring, Vizepräsidentin der Deutsch-Namibischen Gesellschaft und Aktivistin bei den Berliner Rhino-Cops, berichtete anhand eindrücklichen Bildmaterials über den "Nashornschutz in Namibia" und die wachsende Bedrohung der Rhinos durch Wilderei. Bezüglich der gegenwärtig aus Namibias Schutzgebieten kommenden Horrormeldungen über das erschreckende Anwachsen der Nashornwilderei ein hochaktueller Beitrag. Wichtig auch deshalb, weil sich das immer noch hohe Wildtieraufkommen in Namibia als wichtige Stütze des Tourismus und damit auch als bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes darstellt.

Frank Gschwender, aus Windhoek eingeflogener Team-Leader des von der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) in Namibia durchgeführten "De-Bushing-Programms", erläuterte das Verbuschungsproblem für die namibische Weidewirtschaft: Der z.Zt. jährlich durch ökologisch zweifelhafte Weidenutzung etwa 3 Prozent der Wirtschaftsfläche betragende Zuwachs der Verbuschung mindert die Tragfähigkeit des Landes und hat eine Abnahme von etwa 66 Prozent der Produktivität und damit einen volkswirtschaftlichen Verlust von  über 100 Millionen Euro pro Jahr und außerdem einen um 33 Prozent verminderten Grundwassereintrag in dem sowieso schon durch Dürren belasteten Land zur Folge. Das Entbuschungsprogramm soll der Wirtschaft Namibias zudem durch die thermoenergetische Nutzung des bei der Entbuschung anfallenden Biomaterials und in verarbeiteter Form als Viehfutter zugute kommen.

Carsten Rietmann, Anna Sasse und Kolja Lichtenthäler von der 2012 in Bonn gegründeten  "Bildungsinitiative Welwitschia" berichteten schließlich über ihre in Namibia in Zusammenarbeit mit der DNG und TUCSIN (The University Center for Studies in Namibia) laufende Bildungsarbeit in Namibia, deren "Nam Career Service" mit seinen Bewerbungsworkshops einen Schwerpunkt der Arbeit für das zukunftshöffige "junge Namibia" bildet.

Bis um 17.05 Uhr, dem planmäßigen Ende der auch diesmal mit gutem Erfolg über die Bühne gegangenen und vom Heidelberger Afrika-Chor Imbongi bereicherte Veranstaltung, hatte niemand geahnt, auch das Ende einer langen Veranstaltungstradition miterlebt zu haben. Dr. Horst Eichler, Bezirksvorsitzender und Veranstaltungsorganisator seit 2004, bedankte sich für die lang gehaltene Treue, die aufmunternden Worte vieler alter Tagungsfreunde über all die Jahre hinweg und die die tatkräftige Unterstützung durch seine Frau und gab der nunmehr etwas überraschten Zuhörerschaft das unwiderrufliche Ende dieser Veranstaltungsreihe aus Altersgründen (über 80) und wegen immer schwieriger werdender Organisationsprobleme bekannt. Der ebenfalls anwesende DNG-Präsident Klaus Hess musste diese Entscheidung in seinen kurzen Dankesworten überrascht zur Kenntnis nehmen.

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