Die Deutsch-Namibische Gesellschaft ist eine gemeinnützige, überparteiliche und private Organisation mit derzeit ca. 1.500 Mitgliedern und Förderern. Wir unterstützen Projekte in Namibia, fördern den Jugend- und Kulturaustausch, geben Informationen heraus, veranstalten Seminare und tun noch manches mehr.

Tagungssaal2015 ist das "silberne" Jubiläumsjahr der Staatsgründung der Republik Namibia. Viel Positives ist geschehen im immer noch laufenden "nation-building"- Prozess in den letzten 25 Jahren. Aber trotz seiner modernen, beispielhaften Verfassung und seines für Afrika vorbildlichen Rechts- und Verwaltungssystems bedürfen noch zahlreiche Probleme des Landes einer Lösung. Dr. Horst Eichler, Vorsitzender des DNG-Bezirks Rhein-Neckar und Organisator des 12. Heidelberger Namibia-Tages vom 9. Mai, hat solche Probleme in seinen kurzen Eröffnungs- und Begrüßungsworten im wiederum festlichen Ambiente des Spiegelsaals der Stadt Heidelberg thematisiert und im Vortagsprogramm auch zu berücksichtigen versucht.

Fragen zur namibischen Vergangenheitsbewältigung und der nationalen Gedenkkultur, das immer noch ungelöste und virulente Problem der Landreform, die deutsch-deutsche Beteiligung am UN-Einsatz von 1989/90 sowie neue Wege des Artenschutzes angesichts der heute schon dramatisch zu nennenden Artengefährdung in Namibia waren deshalb auch Leitthemen der Veranstaltung.

Godwin Kornes M.A. (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Universität Mainz) war als Assistent des Kurators für das Independence Memorial Museum in Windhuk an der Planung und Einrichtung des Museums beteiligt und hat aus dieser Erfahrung heraus über "Erinnerungskultur und Praktiken nationalen Gedenkens in Namibia" referiert und dabei neben innernamibischen Konfliktebenen anlässlich der Repatriierung namibischer Gebeine seit 2011 (Ethnisierung oder Nationalisierung der Gebeine ?) auch über bemerkenswerte Details der Museumsplanung - wie z.B. die Einbeziehung des "deutschen Reiters" im ursprünglichen Entwurfsmodell der nordkoreanischen Museumsplaner - berichtet.

Prof. Dr. Malte Thran (Hochschule Merseburg) hat mit seinem Thema "Landreform und nation-building" in äußerst anspruchsvollen ideologiegeschichtlichen Analysen den provokanten und brillant vorgetragenen Versuch unternommen, das nachkoloniale "nation-building"-Projekt der angestrebten Umverteilung als Instrument neuer Klasseninteressen unter dem Deckmantel der Emanzipation vom kolonialzeitlichen Erbe darzustellen, das Angehörigen der neuen schwarzen Polit-Elite als bürokratisches Mittel zur Selbstbereicherung dient.

Daniel Lange M.A. (Mitarbeiter der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin) zeigte unter dem Vortragstitel "Premiere im Südwesten Afrikas: Intentionen und Motivationen der DDR für ihren ersten UN-Einsatz in Namibia" die historisch geradezu skurrile Situation der Demokratisierungshilfe für einen im Werden begriffenen demokratischen Staat durch ein selbst noch totalitäres, antidemokratisches System auf, dessen Machthaber und Symbolfigur Erich Honecker allerdings schon 7 Tage nach der Entsendung des DDR-Kontingents nach Namibia am 18. Oktober 1989 entmachtet war. Am 9. November 1989 war auch die Berliner Mauer gefallen und hatte das ermöglicht, was schon vorher Namibia möglich geworden war: Der freie Kontakt zwischen den 30 regimetreuen DDR-Polizeioffizieren und den 60 bundesdeutschen Grenzschutzbeamten der UNTAG-Mission.

Dr. Bettina Wachter (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin) konnte mit  ihrem Beitrag "Sprint ums Überleben der schnellsten Läufer - Wissenschaftsbasierter Artenschutz für Geparde in Namibia" vor dem Hintergrund der schon seit Jahresbeginn über 60 im Etoscha-Nationalpark gewilderten Nashörnern den Zuhörern spannend und hoch engagiert von ihren gegenteiligen Aktivitäten in Namibia berichten. 95 Prozent aller namibischen Geparde (sie stellen hier die auch die größte Wild-Population der Welt dar) leben auf kommerziellem Farmland. Hier stellen sie eine potenziell hohe Gefährdung der Weidetiere dar. Wachters  Forschungen haben ergeben, dass das Konfliktpotenzial "Farmer contra Gepard" durch die Kenntnis der seit  Gepardengenerationen "traditionell" immer wieder aufgesuchten und beanspruchten ortsfesten Paarungs- und Sammlungslokalitäten vermindert werden kann  - und Geparden-Abschüsse dann aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr erforderlich sind - , wenn eine auf Tierbeobachtung basierende Trennung von "Gepardenterritorien" und Weidebestockung berücksichtigt wird. Geparde sind in Namibia nicht auf Weidetiere als Beutetiere angewiesen.

In präsidialer Souveränität hat Klaus Hess (Präsident der Deutsch-Namibischen Gesellschaft) in einem durch den Ausfall eines Referenten entstandenen Zeitfenster zu den gegenwärtigen politischen Verhältnissen  - besonders nach den letzten Parlamentswahlen - Stellung genommen und so den Rahmen zum besseren Verständnis der auch in lebhaften Diskussionen angesprochenen Landesprobleme geschaffen.

Dass der bundesweite Bahnstreik die Teilnehmerzahl stark dezimieren und sogar zu einem erst zu Veranstaltungsbeginn gemeldeten Ausfall eines Referenten führen würde, war nicht unbedingt vorhersehbar und deshalb traurige Realität für alle Beteiligten und eine veranstaltungstechnische Zerreißprobe. Programmumstellungen und die hohe Vortragsqualität der Vortragenden - neben der Verköstigung im historischen Gewölbekeller des Palais Prinz Carl - wird wohl bei den doch noch 81 angereisten Tagungsteilnehmer/innen dazu beigetragen haben, die in Zusammenarbeit mit dem Agenda-Büro der Stadt Heidelberg und der Heidelberger Volksbank zustande gekommene Veranstaltung in guter Erinnerung zu behalten.

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