Drucken

Ausstellung "Tropenkoller. Literarischer Imperialismus"

Veranstaltung

Titel:
Ausstellung "Tropenkoller. Literarischer Imperialismus"
Wann:
So, 10. November 2019 - So, 8. November 2020
Wo:
Deutsches Literaturarchiv Marbach - Marbach am Neckar, Baden-Württemberg
Kategorie:
Ausstellung

Beschreibung

›Tropenkoller. Literarischer Imperialismus‹
Eine Forschungs-Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne im Deutschen Literaturarchiv in Marbach

In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der University of Namibia, den National Library & Archive Services Namibia und dem Goethe-Institut Namibia.

http://www.dla-marbach.de/museen/wechselausstellungen/tropenkoller/

"Tropenkoller" meint seelische und körperliche Erregungszustände, ausgelöst durch klimatische Extrembedingungen. ›Tropenkoller‹ war mehr als ein Phantasiebegriff: Er stand für eine medizinische Diagnose, die auch vor Gericht folgenreich sein konnte. Wurde einem Sklaventreiber ›Tropenkoller‹ attestiert, konnte er freigesprochen werden. Und ›Tropenkoller‹ war noch mehr als das: Phantasiebegriff und Einfallstor für sozialpolitische Kolonialkritik.

1895, als das Deutsche Kaiserreich seine kolonialpolitischen Aktivitäten im Wettbewerb mit den ›Weltmächten‹ England und Frankreich verstärkte, erschien Frieda von Bülows Kolonialroman Tropenkoller, ein Bestseller, der vier Auflagen erlebte und die deutsche Kolonialliteratur erfand: Er prägte und bündelte ein literarisches Feld von Abenteuerliteratur, Exotik und kulturpolitischem Kolonialismus. Paradiesfiktionen und Kolonialideologie gehen hier Hand in Hand.

Die Ausstellung macht diese Grauzonen zwischen Literatur und Ideologie sichtbar. Jede der Linien und jedes der Netzwerke, die in dieser Ausstellung von unterschiedlichen Kuratoren unterschiedlicher nationaler Herkunft gezogen und geknüpft werden, geht von einem Wort, einem Satz, einer besonderen Szene in Frieda von Bülows Roman aus und kontrastiert den Fund mit anderen Kolonialtexten wie Robert Müllers Tropen, Gustav Frenssens Peter Moors Fahrt nach Südwest und Hans Grimms Volk ohne Raum, aber auch mit kanonischen Texten wie Fontanes Effi Briest, Kafkas In der Strafkolonie und Hans Henny Jahnns Perrudja.

Die Ausstellung wird zusammen mit Studierenden der Klasse Uli Cluss an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart so konzipiert, dass sie als ›open space‹ selbst zum Aushandlungsraum von Themen und Perspektiven werden kann – also ein Thema nicht ›repräsentiert‹, sondern mit den in einer Ausstellung möglichen Mitteln zur offenen wie öffentlichen Debatte stellt.


Veranstaltungsort

Deutsches Literaturarchiv Marbach
Standort:
Deutsches Literaturarchiv Marbach - Webseite
Straße:
Schillerhöhe 8-10
Postleitzahl:
71672
Stadt:
Marbach am Neckar
Bundesland:
Baden-Württemberg
Land:
Germany

Beschreibung

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) ist eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit. In seinen Sammlungen vereinigt und bewahrt es eine Fülle kostbarster Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte von 1750 bis zur Gegenwart. Seit seiner Gründung im Jahr 1955 dient es der Literatur, der Bildung und der Forschung. Die Sammlungen stehen allen offen, die Quellenforschung betreiben.

Mit rund 1.400 Nachlässen und Sammlungen von Schriftstellern und Gelehrten, Archiven literarischer Verlage und über 450.000 bildlichen und gegenständlichen Stücken gehört das Archiv zu den führenden seiner Art. Die Bibliothek ist die größte Spezialsammlung zur neueren deutschen Literatur und umfasst etwa 1 Millionen Bände, daneben über 160 Autoren- und Sammlerbibliotheken.

Das DLA führt gemeinsam mit anderen Institutionen und Universitäten interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekte durch, die aus Drittmitteln gefördert werden.

Die Ausstellungen in den Museen des DLA, dem Schiller-Nationalmuseum und Literaturmuseum der Moderne, zeigen die Handschriften, Bücher, Bilder und Gegenstände des Deutschen Literaturarchivs. Die Museen, literarische und wissenschaftliche Veranstaltungen sowie eine Vielzahl von Publikationen thematisieren aktuelle Fragestellungen aus Literatur und Wissenschaft und machen die einzigartigen Archivalien einem großen Publikum zugänglich. Internationale Begegnungen ermöglicht zudem das Collegienhaus für forschende Gäste, Autorinnen und Autoren und Stipendiatinnen und Stipendiaten.